|
Gesundheitsschuhe der zweiten Generation
Mit dem kyBoot präsentierte MBT-Erfinder Karl Müller kürzlich sein neues Schuhkonzept. Mittels einer neuartigen Sohle, die ein elastisches Luftkissen bildet, sollen die Gelenke geschont werden. Gleichzeitig soll die weiche Instabilität für einen aktiven Gang sorgen, bei dem die Fuß-, Bein- und Rumpfmuskulatur trainiert wird.
Der Schweizer „Schuh-Rebell” Karl Müller ist eng mit dem Namen MBT verbunden. Mit diesem Gesundheitsschuh beschritt der Biomechaniker Mitte der 1990er Jahre völlig neue Wege in der Schuhherstellung, indem er von dem herkömmlichen Konzept – Stützen und Führen des Fußes bei optimaler Dämpfung – abrückte. Sie beruhte auf der Beobachtung in seiner damaligen Heimat Südkorea, wo er mit seiner Familie inmitten von Reisfeldern lebte. Das Barfußgehen auf dem weichem, elastischen Lehmboden der abgeernteten Reisfelder linderte seine Rückenbeschwerden, da die Instabilität des Bodens ein permanentes Training der Muskeln hervorruft, welche die Wirbelsäule stützen und entlasten. Genau diese Stützmuskulatur verkümmert beim Tragen herkömmlicher Schuhe auf harten, ebenen Böden, auf denen sich Menschen der westlichen Welt permanent bewegen. Die Folgen sind in den westlich geprägten Industrienationen allgegenwärtig: Rückenprobleme und Gelenkbeschwerden gehören zu den sogenannten Volkskrankheiten.
Der „Anti-Schuh”: MBT
Um diesen Problemen entgegenzuwirken, hat Karl Müller mit dem MBT-Schuh sozusagen einen „Anti-Schuh” konstruiert, der mit einem eigens für den Schuh entwickelten Sensor im Fersenbereich eine natürliche Instabilität kreiert. Der Körper reagiert darauf automatisch mit kleinen Ausgleichsbewegungen, die abgerundete Zwischensohle mit integriertem Balancierbereich erfordert eine aktive Abrollbewegung, die das Aufrichten des Körpers fördert. Auf diese Weise wird ein Gehgefühl wie das Barfußlaufen auf Sand erzeugt. Beim Gehen in herkömmlichen Schuhen vernachlässigte Muskelgruppen werden aktiviert, die Belastung von Rücken und Gelenken wird reduziert. Durch diese Aktivierung der Muskeln wird zusätzlich die Stütz- und Haltemuskulatur im gesamten Körper trainiert, der Stoffwechsel angeregt und der Körper gestrafft.
Der „Luftkissen-Schuh”: kyBoot
Karl Müller, der sich im Jahr 2006 von MBT trennte und ein Jahr später das Unternehmen „kybun” gründete, präsentierte nun seinen neuesten Streich in Sachen innovativer Fußbekleidung, den kyBoot. „Walk on Air!” lautet das Motto, unter dem der neue Schuh vorgestellt wurde, der maximale Fußfreiheit mit einzigartigem Komfort und sportlich-elegantem Design verbinden soll. Wie schon beim MBT stehen auch beim kyBoot die natürlichen Funktionen der Füße im Mittelpunkt, indem sie ein aktives, gesundes Gehen ermöglichen, das den Spaß an der Bewegung zurückbringt. Der kyBoot unterscheidet sich vom MBT-Schuh jedoch grundsätzlich durch seine sogenannte „walk-on-air-Sohle”, die eigentlich keine Sohle im herkömmlichen Sinne ist, sondern eher eine Kunststoff ummantelte, weiche und flexible Matte. Eine Luftwabenstruktur in der Sohle bildet ein Luftkissen zwischen dem Fuß und dem Boden, das den Fuß ähnlich wie beim Gehen auf natürlichen, weichen Böden einsinken lässt. Die sanfte Instabilität der Sohle soll bei jedem Schritt die Muskulatur aktivieren, Verspannungen der Rückenmuskulatur abbauen und Muskeldysbalancen entgegenwirken, während der Fuß im kyBoot alle Feinheiten des Bodens ertasten kann, was eine sanfte Stimulation der Fußrezeptoren bewirken soll.
Schuhe als Gesundheitsvorsorge
Prof. Dr. Christian Gäbler, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, empfiehlt den Schuh vor allem Patienten mit Haltungsfehlern und Knie-Problemen. Als „dynamisches Trainingsgerät” lindere der Schuh aber auch Schmerzsymptome beim bereits pathologischen Fuß und anderen Problemen des Bewegungsapparats, so Müller. Beim Umstieg müsse bedacht werden, dass eingelernte Schonhaltungen damit nicht mehr möglich sind.Da könne es vorübergehend zu einer „Erstverschlechterung” kommen.
Alternative Konzepte: Biodyn, Joya, Rolling soft
Neben dem Klassiker MBT und dem neuen Konzept von Karl Müller, kyBoot, sind in jüngster Zeit noch eine Reihe weiterer Hersteller mit sogenannten Barfuß-Schuhen mit Trainingseffekt auf den Markt gekommen. biodyn etwa setzt ebenfalls auf natürliche Instabilität, verlegt diese Funktion jedoch ins Innere der Sohle, um ein optisch günstigeres Erscheinungsbild zu erzielen, das den Schuh auch businesstauglich machen soll. Auf ein junges, modernes Design und ein günstiges Preis-Leistungsverhältnis setzt auch Joya, das Label von Karl Müller jun. und Claudio Minder, das auch eine Kinderschuhlinie namens Joyssy auf den Markt brachte. Rolling soft, die neue gesunde Linie von Gabor, setzt auf eine verbesserte, natürliche Abrollbewegung durch die gerundete Sohle, kehrt jedoch in puncto Stützen und Führen zum herkömmlichen Schuhkonstruktionsprinzip zurück. Das mag Kritiker auf den Plan rufen, könnte aber für alle, die aufgrund bereits bestehender Beschwerden mit MBT & Co. nicht zurecht kommen, eine gangbare Alternative sein. Mehr Bewegung in den boomenden Markt bringen die Funktionsschuhe der zweiten Generation auf jeden Fall.
Quelle: SHOEZ
|